Archiv des Autors: Jürgen

Tagesspiegel vom 10.10.2010: Folgen der Einheit


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20 Jahre deutsche Einheit

Gemischtes Doppel


„Tennis passt nicht zu einem Sportfunktionär“, bekam Jochen Roschild in der DDR zu hören. Mit der Einheit verlor er seinen Job Jürgen Halm fand Vereinsarbeit spießig. Die Liebe zum Tennis siegte über Wendefrust und Vorurteile. Jetzt spielen sie gemeinsam

Irgend etwas stimmte nicht, das fühlte Jochen Roschild bei diesem ersten regulären Punktspiel seines Treptower Tennisclubs gegen ein West-Berliner Team ganz genau. Die Sportfreunde aus dem Westteil schauten total verdattert, als ihnen die Ostler nach den Spielen zum Abschied die Hände reichten. Roschild fasste sich ein Herz und fragte den West-Berliner Mannschaftsführer: „Ist etwas nicht in Ordnung?“ Der schluckte verlegen und sagte dann: „Bei uns ist es üblich, dass die Mannschaften nach den Spielen gemeinsam essen und trinken, der Gastgeber bezahlt.“ „Das wussten wir nicht“, antwortete Roschild und organisierte in der Kneipe nebenan rasch ein Essen für die Gäste und für die eigene Mannschaft.

Das war im Frühjahr 1991, zum ersten Mal spielten Berliner Tennisklubs aus Ost und West in gemeinsamen Ligen. Roschilds Treptower Tennisclub hatte man in die höchste Berliner Liga eingeordnet, das zweite Punktspiel führte die Treptower zu den besten West-Berliner Tennisspielern von Rot-Weiß in der Hundekehle. „Wir hatten natürlich keine Chance“, sagt Roschild, „aber bei Rot-Weiß spielte damals der Schlagersänger Bernhard Brink. Der hat uns so nett begrüßt, echt sportlich.“ Brink, erzählt Roschild, habe den Ost-Berlinern gesagt: „Meine Jungs hau’n mächtig auf’n Putz, aber letztlich kochen die auch nur mit Wasser. Also nehmt das nicht so ernst.“ Die Treptower verloren, aber alle bekamen ein Autogramm von Brink, und – das wussten sie ja inzwischen – ein Essen vom Gastgeber.

Als Tennisspieler war die Wiedervereinigung für Roschild wunderbar: „Endlich konnten wir unsere Plätze anständig herrichten“, sagt er. „Mussten nicht mehr die Linien mit Latex streichen und konnten die alten Holzschläger ausmustern.“

Beruflich brachte die Wende für Jochen Roschild zunächst das Aus. Der heute 69-Jährige, der bereits mit zwölf Jahren zum Waisenkind wurde, kam durch den Sport nach Berlin. Man hatte ihn in der DDR als Leichtathletik-Talent entdeckt, doch es reichte nicht für die Olympiamannschaft 1964. So wurde Roschild nach seinem Hochschulstudium Sportfunktionär beim Sportclub Dynamo – und mit der Einheit arbeitslos.

„Es war ein schreckliches Gefühl, als ich das erste Mal zum Arbeitsamt musste“, erzählt er. „Ich kam mir so überflüssig vor.“ Dank seiner Erfahrung fand er aber schnell wieder Anerkennung – und die eine oder andere ABM-Stelle, mit der er sportliche Projekte verwirklichen konnte. Der Tennisplatz blieb gerade in der Wendezeit das Beständige in Roschilds Leben. Sein Treptower TC erlebte Anfang der Neunziger einen erstaunlichen Boom. „Viele West-Berliner kamen zu uns, weil wir Mitgliedsbeiträge hatten, von denen sie nur träumen konnten“, erzählt er. „Außerdem liegt unsere Tennisanlage ganz idyllisch.“

Diese Lage mitten im Plänterwald, direkt an der Spree, fand auch Jürgen Halm traumhaft. Der Franke war in den achtziger Jahren, wie viele Westdeutsche, als „Bundeswehr-Flüchtling“ nach West-Berlin gekommen, hatte Architektur studiert und Anfang der Neunziger mit Freunden den Treptower TC entdeckt. „Dort war es noch wie zu DDR-Zeiten“, sagt er. „Die Fassaden grau oder in einem schrecklichen Blau – aber das vergaß man alles, wenn man nach dem Spiel beim Bierchen am Wasser saß und grillte.“

Was Jürgen Halm und seine Freunde aber am meisten schätzten, war die Tatsache, dass man sie nicht aufforderte, in den Verein einzutreten. „Wir waren doch die Kinder der 68er“, sagt er. „Verein – das klang so nach Deutschland, nach uraltem Mief und vor allem nach Arbeit. Niemand von uns hatte Lust auf Vereinsarbeit.“ Halm und seine Freunde wollten einfach nur spielen und das konnten sie beim Treptower TC. „Wir hatten damals mehr als 100 Mitglieder“, erzählt Jochen Roschild. „Ost- oder West-Berliner, das war kein Problem. Es ging um Sport und Sieg, und unsere neun Mannschaften wurden durch eine bekannte Firma gesponsert, die hier eine große Freizeitanlage bauen wollte.“

Warum daraus nichts wurde, weiß Jochen Roschild bis heute nicht. Irgendwas ist da beim Bezirksamt Treptow schief gelaufen, ein Klub gleich nebenan bekam plötzlich Fördergeld, der Sponsor sprang ab, und so schnell wie es mit dem Treptower TC aufwärts gegangen war, ging es auch wieder bergab: Die leistungsorientierten Spieler verließen den Verein zuerst. Als dann noch bekannt wurde, dass der Verein umziehen müsse, weil das Gelände kontaminiert sei, glaubten nur wenige an eine Zukunft. Nur drei Dutzend Mitglieder von mehr als hundert blieben am Ende.

Jürgen Halm will sich damit nicht abfinden. Zwar spielte er zwischenzeitlich auch anderswo – jetzt aber hat er neue Freunde, die, wie er, den Klub erhalten wollen. Das Wort Vereinsarbeit klingt nicht mehr so abstoßend in ihren Ohren. „Vielleicht liegt es daran, dass wir älter geworden sind“, sagt er. „Oder daran, dass Vereinssport und Ehrenämter inzwischen mehr Wertschätzung genießen.“

Mit seinen Freunden ist er jeden Montag im Tennisverein. „Wir nennen sie die Montagsmaler“, sagt Jochen Roschild. „Am Anfang gab es mal Zoff, weil sie nicht immer alles weggeräumt haben, aber inzwischen gibt es keinen Grund zur Klage.“

Dass die jungen Leute jetzt den Verein erhalten möchten, freut Roschild. Immerhin gibt es den Club seit 1954, obwohl Tennis in der DDR nicht so gefördert wurde wie andere Sportarten. „Es war eben keine olympische Disziplin und es hatte für manche so was Bürgerliches“, sagt er. Und erzählt, dass sein Vorgesetzter ihn mehr als einmal aufgefordert hat, mit dem Tennis aufzuhören. „Das passt nicht zu einem Sportfunktionär bei Dynamo“, sagte der. Aber da hatte Jochen Roschild schon jene Leidenschaft gepackt, die so viele Tennisspieler vereint. Egal, ob in Ost oder West.

Vielen Dank an Tagesspiegelredakteurin Sandra Dassler
http://www.tagesspiegel.de/berlin/gemischtes-doppel/1953142.html

Die Revolution der 3er Kette

Ü32: AOK Pokal FSV Hansa 07 : Altglienicke 6:0 (Gegner nicht angetreten)

Der Gegner hat die lange Anreise gescheut, deshalb sind die Senioren  jetzt in der dritten Runde des Pokals.  Die Ü32 unter den letzten 32 Mannschaften, demnächst hoffentlich in der Wrangelritze.

Heute ist eigentlich kein Artikel nötig.   Ich habe aber einen schönen Blog im Internet gefunden  www.spielverlagerung.de  .   Der Blog analysiert Spielsystheme bzw. Spiele Europaweit.

Das Thema Dreierkette ist seit Anfang dieser Saison in der Ü32 wieder virulent.  Nachdem 2007  die  zweite Herren einerseits altersbedingt zurücktrat,  um den mit Hufen scharrenden Mittzwanzigern den Neuanfang zu ermöglichen, andererseits aber  mit den  „älteren“ Hanseniores fusionierte.  Die EX-Zweite Herren, die wiederum aus der Fusion mit der damaligen Dritten Herren hervorgegangen ist, kannte nur die 3er Kette.  Seitdem gab es immer zwei Fraktionen.   Durchgesetzt hat sich in den letzten Jahren die Fraktion der Viererkette.    Im letzten Jahr hat die Ü32 viel Gegentore gefangen, von sog. Ostmannschaften mit langen Bällen in die Innenverteidigung.

Seit der Saison 2011 ist Michael in den Spiellerrat der Ü32 eingetreten und hat dieses vermeintliche „verstaubte“ Instrument  re-eingeführt.   Er nannte es „Libero“.  Das war Mitte August 2011.   Zeitgleich fand das Spiel Barcelona- Villarreal statt.   Seit dem ist eine Taktik Debatte nicht nur bei den Hanseaten der Ü32 entbrannt.  Es geht hier um nicht weniger als die Zukunfts des Fussballs.

der Folgende Artikel ist im Original unter www. Spielverlagerung.de nachzulesen.

Barelona : Villarreal 5:0

In einem tollen Fußballspiel bezwang der FC Barcelona zuhause die Mannschaft von Villarreal. Fünf Tore erzielte man und zeigte einmal mehr den Klassenunterschied zu den Verfolgern. Villarreal, ein Champions-League-Teilnehmer und eigentlich unter den Top-Vier Spaniens, hatte nie auch nur den Hauch einer Chance und musste eine herbe Niederlage einstecken.

Wechselwirkung der Formationen

Grundformationen

Die Gastmannschaft agierte in einem 4-4-2, wobei Borja Valero als Spielmacher hätte agieren sollen. Cani hatte die Aufgabe, mehr über die Seite  zu kommen und die Stürmer vorne einzusetzen. Nilmar und Rossi traten zusammen im Sturm an und versuchten die Verteidiger Barcelonas auseinander zu ziehen. Eigentlich war diese Idee ein kleines Meisterstück des Trainers von Villarreal, denn rein schematisch hatte man eine sehr gute Aufstellung gegen Barcelona. Die Mittelfeldspieler agierten zentral und überluden das Zentrum, die Außenverteidiger sicherten die Seite ab und im Angriff gab es zwei extrem dynamische und spielstarke Stürmer. Das Problem war allerdings die unerwartete Formation Barcelonas, welche ein 3-4-3 war.

In der Innenverteidigung begannen die Katalanen mit Busquets als einer Art Libero, daneben Mascherano auf rechts und Abidal auf links. Wie in zahlreichen Vorbereitungsspielen kam Keita auf der Sechs zum Einsatz, doch das Kernelement dieser Mannschaft war das zentrale Mittelfeld. Iniesta auf halblinks und Thiago auf halbrechts bedeutete, dass man ohne einen seitlichen Mittelfeldspieler agierte und zwei reine Spielmacher auf den eigentlichen Außenpositionen auflaufen ließ. Etwas vorgezogen kam Fabregas hinter dem falschen Neuner Lionel Messi zum Einsatz, die Winger bildeten Alexis Sanchez und Pedro.

Von der ersten Minute an zeigten sich die Vorteile dieses revolutionären Systems: eine sehr engmaschige Mittelfeldreihe eroberte den Ball weiter vorne und dank der Unzahl an passstarken Mittelfeldspielern konnte man den Ball selbst in knappen Situationen behaupten. Das Pressing funktionierte hervorragend und es war wenig verwunderlich, als man nach einem tollen Dribbling Thiagos, der von Cani immer wieder laufen gelassen wurde, in Führung ging. Villarreal hatte im gesamten Spiel nur einen Schuss auf das Tor von Valdes, jeglicher Konter der Submarinos wurde bereits im Keim erstickt. Ab der 30. Minute begann Barcelona ihrem Gegner mehr Raum zu geben, doch Villarreal konnte diese kleine Erholungsphase nicht nutzen und als Cesc Fabregas kurz vor dem Halbzeitpfiff das 2:0 erzielte, war das Spiel gelaufen. Die Gastgeber hatten nach der Halbzeitpause einen physisch wie psychich am Boden liegenden Gegner und in den ersten sieben Minuten nach der Halbzeit konnte man durch Tore von Sanchez und Messi das Spiel endgültig für sich entscheiden. Barcelona kontrollierte Geschwindigkeit, Raum und Ball, was neben der Einwechslung Xavis für erhöhten Ballbesitz im Vergleich zur ersten Halbzeit sorgte (von 67 auf 74%). Kurz vor Schluss fixierte Leo Messi nach einem schönen Doppelpass mit Thiago den Endstand. Das Problem war eindeutig, dass Villarreal sich nie befreien konnte und Barcelona ihren Gegner immer auf Distanz vom eigenen Tor hielt.

Teamvergleich Barca vs. Villarreal – Heatmap und Avgpositioning

Die Geschichte des 3-4-3 und ihre Bedeutung für das Pressing

Das auffälligste an diesem Abend war das 3-4-3 Barcelonas, welches herausragend funktionierte und für mehr Variabiltät sorgte. Die eigentliche Veränderung im Vergleich zur letzten Saison war allerdings gar nicht so extrem; die Abwehr agierte in Ballbesitz bereits seit längerem mit einer Dreierkette als Absicherung, da die Außenverteidiger sich verstärkt ins Angriffsspiel und das Pressing im zweiten Drittel einschalteten. Jetzt war die Dreierkette, obwohl Busquets nicht vor, sondern hinter den beiden Innenverteidigern agierte, eigentlich kaum anders, doch die taktische Umstellung sah man am stärksten in der Offensive. Mit drei statt zwei Spielmachern und fehlenden nach-vorne-preschenden Außenverteidigern mussten die Flügel das Spiel in der Offensive breit machen, was jedoch zwei große Vorteile hatte: Messi hatte mehr Raum im Zentrum und Cesc Fabregas konnte mit seiner Torgefährlichkeit Messi im Angriff entlasten und sorgte durch seine Rochaden und Vorstöße für viel Verwirrung beim  Gegner und noch viel mehr Platz für die Spielmacher Thiago und Iniesta.

Teamvergleich Grundformationen: Ajax72; Barca92; Ajax95; Barca11

Diese Formation ist jedoch nichts Neues. Bereits Ajax in den 70ern spielte ein ähnliches System, hier kam Johan Cruijff als falsche Neun im Sturmzentrum zum Einsatz, zwei Winger waren verantwortlich für Breite sowie Torgefährlichkeit und das Mittelfeld agierte fluid und offensiv. Der Vorstopper rückte zu einem nominellen defensiven Mittelfeldspieler auf, der Libero folgte ihm, das gleiche konnte man bei den Mittelfeldspielern auf den Halbpositionen und den beiden Verteidigern hinter ihnen beobachten.

Noch ähnlicher waren dem gestrigen System Barcelonas allerdings zwei Teams der Moderne, nämlich die Champions-League-Sieger Ajax unter Van Gaal aus dem Jahr 1995 und Cruijffs Dreamteam, welches 1992 den wichtigsten Titel Europas in Wembley gewann.

Alle diese Teams waren auf Ballbesitz ausgerichtet und boten neben vielen technischen Feinheiten und Positionswechseln eine weitere Besonderheit: ein extrem aggressives und hohes Pressing, welches eine frühe Rückeroberung des Balles ermöglichte. Die Ursache dafür war die 4-3-Stellung, welche das Maximum an Dreiecken und das Minimum an Schnittstellen bedeutet. Viele Teams, bspw. einige italienische Mannschaften in den letzten Jahren, nutzten diese Vorteile beim Tannenbaumsystem oder bei der exakten Verschiebung in ihren Rautensystemen. Mourinho hatte es gar bei einem 4-5-1 benutzt. Beim 3-4-3 gibt es diese Formation ebenfalls, doch sie ist weiter nach vorne geschoben, was ein starkes Angriffspressing ermöglicht und die vielen Teams, die selten gegen Dreierketten oder gegen ultradefensive Teams antreten, vor zwei knifflige Fragen stellt: a) wie kann man ein Abwehrbollwerk, welches mich sofort nach Ballannahme attackiert, überwinden? und b) was macht man danach, wenn man gegen drei weitere Verteidiger das halbe Spielfeld in hoher Geschwindigkeit überbrücken muss, um überhaupt die Chance auf ein Tor zu bekommen?

Diese beiden Fragen sind nicht nur taktisch, sondern gegen Mannschaften wie Barcelona auch spielerisch kaum zu lösen und man wird sehen, wie die anderen Gegner der Katalanen gegen diese fast Unbezwingbaren agieren werden. Steht man tief, ist man in einem engen Netz eingesperrt und hat nur minimale Möglichkeiten zu entkommen, steht man hoch, öffnet man Räume für die schnellen Stürmer und tödlichen Pässe der Mittelfeldspieler. Anmerken muss man wohl noch, dass die drei anderen herausragenden Pressingteams der Vergangenheit nicht an ihren Gegnern, sondern an internen Problemen scheiterten – bei Barcelona scheint das mehr als unwahrscheinlich zu sein.

Wie Barca das Problem des Spielaufbaus bei einer Dreierkette umgeht

Barcelonas Spielaufbau im 3-4-3

Einer der Vorteile bei einer Viererkette ist die höhere Zahl an Anspielstationen in der Defensive und die daraus resultierende höhere Sicherheit im Aufbauspiel, es gehen weniger Bälle verloren und bei Ballverlust hat man mehr Spieler hinter dem Ball, die den Gegenangriff schnell unterbinden können. Die Katalanen hingegen führen dieses Problem ad absurdum, da sie durch die herausragende Spielintelligenz der Mittelfeldspieler immer eine Anspielstation finden. Mascherano und Abidal machen das Spiel in der Defensive breit und geben so ihrem Torwart Valdes zwei Anspielstationen auf der Seite, Busquets bietet sich zentral an und wird von Keita sowie Thiago und Iniesta unterstützt. Während Keita sich auf eine Halbposition auf Höhe Busquets bewegt,  bieten sich Thiago und Iniesta  diagonal an und werden wiederum von den nach hinten rückenden Fabregas und Messi mit Passmöglichkeiten versorgt.

Besonders interessant sind die vielen diagonalen Passoptionen, die einen fast schon banalen Zweck erfüllen: spielt der Passgeber einen vertikalen Pass und er schlägt fehl, kann er den Gegner sofort unter Druck setzen und vom Tor weg drängen, während der verhinderte Passempfänger den Gegner mitattackieren oder den Raum abdecken kann. Spielt man einen Querpass, hat man erhöhte Sicherheit, da man den Ball in einen größeren Raum spielen kann, was eine größere Streuung ermöglicht – dies ist insbesondere bei Pässen unter Bedrängnis wichtig. Wird der Mitspieler gedoppelt, fehlt auf der anderen Seite der Verteidigung ein Gegner und eine weite Spielverlagerung hebt das gesamte Pressing des gegnerischen Teams auf; es war auffällig, wie viele weite Bälle Barcelona im Spielaufbau schlug (in Relation zu den letzten Saisons).

Durch diese vielen kleinen taktischen Besonderheiten neutralisieren Pep und seine Mannschaft die klassischen Nachteile einer Dreierkette.

Eine neue Position?

Besonderes Augenmerk muss man allerdings ebenso auf die Rolle der Innenverteidiger legen, denn obwohl sie die letzte Bastion der Abwehr darstellen, zeigen auch sie viele unorthodoxe taktische Merkmale. Anstatt die extrem hohe und offensive Offensive abzusichern, boten sie sich im Spielaufbau wie im Kombinationsspiel im zweiten Drittel als Anspielstation an. Der ballferne Innenverteidiger würde dann mit Busquets eine Zweierkette bilden und dank eines leicht eingerückten Mittelfeldspielers auf der anderen Seite des Feldes konnte man jederzeit das Spiel verlagern oder den Ball langsam nach dem Ziehharmonikaprinzip durch diese parabelförmige asymmetrische Dreierkette zum spielmachenden Mittelfeldspielers zirkulieren lassen. Während dieser Zirkulation hat der aufgerückte Innenverteidiger die Zeit, wieder in seine angestammte Position zurückzukehren.

Dadurch haben die Gegner selbst bei Ballgewinn im Mittelfeld kaum eine Chance auf eine effektive Torchance, da immer drei bis vier Spieler hinter dem Ball postiert sind und den Gegner auf außen drängen können. Taktische Einwürfe als intelligentere, wenngleich ungemein komplexere taktische Alternative zu taktischen Fouls, welche Barcelona oft begeht. Villarreal beging bspw. 0,19 Fouls pro gegnerischem Prozent Ballbesitz, bei Barcelona sind es 0,58, was eine eklatant hohe Zahl ist, aber unabdingbar für dieses offensive Spiel der Katalanen.

Zurück zu den Innenverteidigern: wie man an den Heatmaps erkennen kann, agieren sie fast wie Außenverteidiger, teilen sich allerdings die Aufgaben, welche Dani Alves und Abidal letzte Saison alleine bewältigen mussten – die Verteidiger sind Anspielstationen im Mittelfeld, die Winger geben die nötige Breite im letzten Drittel.

heatmaps – Javier Mascherano und Eric Abidal

Fabregas und Messi, eine falsche Zehn und eine falsche Neun?

Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Spiel war das Wechselspielchen zwischen Messi und Fabregas, welche fast schon im Wechsel die Mittelstürmerposition besetzten. Beide agierten sehr oft im Mittelfeld, beteiligten sich aber nicht am Spielaufbau in der Tiefe, wobei Fabregas schematisch natürlich der tiefere war. Diese Positionierung hat einen größeren Effekt, als wenn man die beiden nebeneinander zwischen den Linien postieren, wie es bspw. Ferguson mit Rooney und Tevez im 4-6-0 ManUtds von 2008 tat. Dies liegt daran, dass sich die Verteidiger psychisch und schematisch nicht auf beide, sondern immer nur auf einen der beiden offensiven Spieler einstellen. Bei Manchester wusste man, dass beide Spieler in den Strafraum dringen würden, wenn auch die Reihenfolge und der Zeitpunkt unbekannt war. Beim gestrigen Barcelona ging man zwar davon aus, dass Messi sich fallen lassen würde, aber nicht, dass Fabregas dieses Loch füllen würde – dieser Denkfehler war die Ursache für zwei der vier Treffer.

heatmaps – Leo Messi und Cesc Fabregas

Wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass sich Fabregas zwar mehr im Mittelfeld bewegte als Messi, im Strafraum hatten die beiden jedoch die gleiche Zahl an Ballkontakten und beide konnten sich je nach Lust und Laune auf ihre größten Stärken konzentrieren: den finalen Stoß, sei er als Pass oder Abschluss getarnt.

Fazit

Mit einem hohen Sieg und einer tollen Vorstellung gewann Barcelona mehr als verdient gegen die Mannschaft von Villarreal, welche sich viel zu weit in der eigenen Hälfte einsperren ließen. Die Dreierkette scheint wirklich eine ernste Alternative zu sein und birgt sogar so viele Vorteile, dass man sie als künftiges Stammsystem nutzen könnte. Pep Guardiola hat abermals seine Mannschaft weiterentwickelt und dieses Mal sogar im makrotaktischen Bereich. In den letzten Jahren gab es zwar einige mikrotaktische Veränderungen wie eine weiter vorn positionierte Mannschaft, ein aggressiveres Pressing und ein verbessertes Kurzpassspiel, welche Barcelona jedes Jahr ein weiteres Plus von 5% beim Ballbesitz brachten, doch diese Saison ist die Evolution viel sichtbarer und man kann dem Trainer der Katalanen nur ein Kompliment für seinen Mut und seine Kreativität machen.

Die Highlights des Spiels gibt es auf Youtube zu sehen.

Die Statistiken sind von espn.go.com, ebenso die Grafiken ohne Kennzeichnung.

20 Jahre Erfahrung

  • im Projektmanagement komplexer Infrastrukturprojekte
  • im Consulting
  • in allen Leistungsphasen der HOAI

Nach 20 Jahren als Architekt und Projektmanager gründet Jürgen Halm im Januar 2012 die hp-plus Projektmanagement GmbH. Eine Planungsgesellschaft von Ingenieuren.

Jürgen Halm beendete sein Studium 1991 an der TFH Berlin. In den intensiven Nachwendejahre in Berlin mit einigen Wettbewerbsbeiträgen studierte Jürgen Halm sechs Semester Philosophie an der FU Berlin bei Professor Norbert Bolz (Medien- u. Chaostherie).  1991/92 arbeitet er als freier Mitarbeiter in Architekturbüros.   1993 gründete er zusammen mit Hans Kniepkamp und Susanne Seeger die Etage für Architektur und Neue Medien.  In diesem Labor wurde bis 1999 auf 1000 qm geforscht.

Seit 1996 firmiert das Büro unter halm + partner.  Zunächst entwickelte sich das Büro als klassisches Architekturbüro. Jürgen Halm leitete in dieser Zeit erfolgreich als Geschäftsführer die Geschicke einer Projektentwicklungsgesellschaft in der Immobilienbranche. Seit 2000 spezialisierte sich das Büro auf das Projektmanagement & Consulting komplexer Infrastrukturprojekte. Zunächst entwickelte das Büro eine Standortdatenbank von 2500 Berliner Standorten in Zusammenarbeit mit Wohnungsgenossenschaften, Maklern und Hauseigentümern. Ca. 125 Standorte wurden von Mobilfunkunternehmen für den Aufbau des UMTS Netzes in Berlin unter Vertrag genommen. Dies war der Grundstein für die zukünfige Entwicklung des Büros und es folgten Engagements als Senior Consulter in der Telekommunikationsbranche als Projektmanager für Akquisition und Civil Works. Die nächste Herausforderung war die stellvertretende Leitung bei Toll Collect für den Roll Out  im PPP (Public Private Partnership) Projekt LKW Maut Deutschland.  Die Aufgabe lautete: Roll Out/Aufbau von 3600 Mautstellen in Deutschland und dem angrenzenden europäischen Ausland.

2012 gründete Jürgen Rudolf Halm die hp-plus Projektmanagement GmbH. 
enineering + consulting, ICT

Namhafte Auftraggeber sind seitdem:
Ericsson GmbH,
TÜV Rheinland GmbH,
Vodafone D2 GmbH
Comebis GmbH
Nokia GmbH 
STF Consulting GmbH
Telefonica GmbH

Experte für IT basiertes Projektmanagement von Großprojekten